Wem ich was in die Schuhe schieben will
Normalerweise gehöre ich ja immer zu denen, die sich als erste echauffieren, und das mit wachsender Begeisterung. Und was habe ich immer gewettert, wenn es hier hakte - neu- (PISA-)deutsch gern auch "hackte" (gesprochen wird es immer noch hakte - ich rede noch nicht vom Hacker). Die Aufregung jetzt allerdings, und was daraus folgte, kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Da treibt ein Hacker sein Unwesen bei 20six und richtet beträchtlichen Schaden an. Aber anstatt die Bloggemeinde zusammensteht und dem Support - der, zugegeben, mehr als minimalistisch ist und, wenn ich mich recht erinnere, eigentlich mehr ehrenamtlich tätig ist - den Rücken stärkt, wird gejammert und gemeckert, was das Zeug hält und die Blogger gehen sich noch gegenseitig an, weil irgendwer was falsch in den Hals gekriegt hat. Gut, bei mancher Ausdrucksweise konnte man manches auch nicht in den richtigen Hals kriegen.
Hallo? Leute, geht's Euch noch gut? Soweit ich mich erinnere, hat Nostradamus nicht prophezeit, daß ein Hacker hier Wirrwarr anrichtet - oder irre ich mich, lieber Reisender? Wer sich einigermaßen mit PC und Internet auskennt und ein wenig am Tagesgeschehen Anteil nimmt, der weiß, daß man nie 100%ig vor Hackern und anderen unlauteren Internetnutzern geschützt ist. Sie sind immer schneller als der beste Abwehrschutz. Was viele meiner geschätzten Blognachbarn hier aber machen, kommt diesem Szenario gleich:
Ein Minibagger einer Baufirma, die neue Telefonkabel in der Straße vorm Haus verlegt, beschädigt bei den Bauarbeiten ein Stromkabel. Bauz! Die ganze Straße hat keinen Strom mehr. Die Mieter, Leute jeden Alters, grundverschieden und ein bißchen Multikulti, ein bißchen Spießertum neben Provokateuren, Punk und Baby-Pop - und doch friedliche Nachbarn, die sich foppen, aber auch zusammenhalten, sich untereinander helfen und sogar gemeinsam Straßenfeste feiern. Sie informieren die Stromfirma, die verspricht, sich umgehend der Sache anzunehmen. Da die Mieter sich aber für einen recht preiswerten Stromlieferanten entschieden haben, der massiv rationalsiert hat, um profitabel zu bleiben und wenig Personal beschäftigt - vor allem im technischen Außendienst sieht es mau aus -, kann das ein wenig dauern.
Die Mieter sind entsetzt, binnen zwei Stunden muß das doch repariert sein. Sie berufen eiligst eine Mieterversammlung ein, lassen Plakate drucken: "Scheiß Stromlieferant!", "Wenn Du Strom vom Stromlieferanten beziehst, bist Du verraten und verkauft!", die sie in ihre Fenster hängen, so daß man sie von der Straße aus sieht. Dummerweise verdunkeln die Fenster das Zimmer, aber das nehmen sie in Kauf. Wenn sie Strom hätten, könnten sie wenigstens das Licht anknipsen, so sitzen sie aber im Dunkeln bei mickrigem Kerzenschein und jammern und barmen.
Damit nicht genug, immer wieder rufen sie bei der Energiefirma an, die jedoch auch den einzigen Mitarbeiter des Kundenservices losgeschickt hat, bei der Reparatur zu helfen. Unsere emsigen Mieter erreichen also niemanden und sind noch saurer. Viele drohen, die Stromgesellschaft zu wechseln und rüsten schon zum Umzug, auch wenn sie nach den gültigen AGB der Stromgesellschaft gar nicht so schnell wegkönnen.
Einige Mieter versuchen, ihre aufgebrachten Nachbarn zu beschwichtigen. Sie werden angebrüllt und beschimpft. Ein zorniger Nachbar meint sogar, daß der - in seinen Augen - recht sonderbare Mieter aus dem Dachgeschoß, der junge Spund, so ein Quertreiber - wie der Zornige meint -, hinter der Sabotage steckt. Andere stimmen in die Anklage ein. Ja, der junge Kerl war doch schon immer verdächtig...
Die Bauarbeiter, darunter unser Baggerführer, freuen sich über das lautstarke Zetern; das Durcheinander, das sie angerichtet haben, es bringt Abwechslung in ihr ansonsten recht dröges Leben. Sie haben quasi Feierabend und beobachten wie sich die friedliche Nachbarschaft in die Wolle kriegt, sich verdächtigt und denunziert. Die Baufirma wird von den Mietern zwar beschimpft - aber aus der Ferne. Wenn die Mieter allerdings einem Monteur von der Stromgesellschaft treffen würden ... am liebsten am Kinn...
(Ähnkeiten mit tatsächlich lebenden Personen sind manchmal, aber nicht immer beabsichtigt und daß alles kursiv Gedruckte der Wahrheit entspricht, kann nicht versichert werden. Aber wie es ausgeht, das wüßte ich auch gern.)
Liebe Blognachbarn, die Ihr gedroht habt, den Anbieter zu wechseln und/oder Euer Blog sogar schon geschlossen oder gelöscht habt, denkt nochmal darüber nach. Wem schadet Ihr damit, wenn Ihr geht? 20six? Wohl kaum. Warum seid Ihr denn nicht schon früher gegangen, als Systemausfälle und andere Pannen 20six lahmlegten oder das Bloggen arg erschwerten? Der Support war schon damals nur sporadisch besetzt. Ihr seid geblieben, weil es Euch in der Bloggemeinde gefallen hat - nette Nachbarn, manche gar Freunde, mit denen man diskutieren, lachen und manchmal auch streiten konnte. Das ist doch das, was 20six ausmacht, oder nicht?
Was jetzt geschieht, ist rumzicken. Erinnert mich an die Werbung für das Erkältungsspray Erste Abwehr. Der Spot, in dem ein kleiner Junge im Supermarkt quengelt, Chips und Süßes haben will und als er es nicht kriegt, losplärren will. Noch bevor er den ersten Sirenenton ausstoßen kann, kommt ihm seine Mutter zuvor. Sie wirft sich auf den Boden, strampelt, schreit und plärrt, während der Kleine peinlich berührt zur Salzsäule erstarrt. Die Mutter steht auf und eine einzige Kopfbewegung genügt, daß der Junge artig und stumm ohne Süßes und Chips seiner Mutter folgt.
Großartige Werbung, großartige Pädagogik. 
Was ich damit sagen will: mancher Blognachbar kommt mir derzeit leider wie ein Kleinkind vor, das sich in einen Schreikrampf hineingesteigert hat. Leute! Die Fans von Tokio Hotel benehmen sich dagegen geradezu gesittet, wenn die/der Sänger/in der Band inmitten der Groupies auftaucht!
Ach ja, falls es jemanden interessiert: wollt Ihr wissen, warum ich mich diesmal (ausnahmsweise) nicht echauffiere und die 20six-Techniker machen und schrauben lasse? Ich arbeite in einem großen Dienstleistungsunternehmen, der Computer ist mein Werkzeug. Wenn dort mal etwas nicht läuft, geht nichts mehr. Und es gibt nun mal hin und wieder kleine und mittlere Pannen, die die Arbeit mal für ein, zwei Stunden lahmlegen. Das ist aber auch nicht verwunderlich, denn mittels Computer kommunizieren wir mit Menschen von "draußen", mit unseren Kunden. Und darunter sind einige, die einem nicht immer wohlgesonnen sind und Blödsinn treiben, der meiner Firma ab und zu richtig zu schaffen macht.
Wie ich oben schon ausführte, wer Arges im Schilde führt, ist meist schneller als der Gute, der nicht weiß, was wann wo wie auf ihn zukommt.
Denkt noch einmal darüber nach, ich werde 20six nicht verlassen. Ich werde aber auch nicht jedem und seinen Spuren folgen können. Und das fände ich mehr als schade.

In diesem Sinne will ich Euch, weil heute Nikolaus ist, was in die Schuhe schieben. Ich schmeiße 'ne Runde Baldrian, zur Beruhigung. Mancher kann's brauchen...
Ich wünsche Euch einen schönen Nikolaustag, falls Ihr die Stiefel geputzt habt, eine üppige Füllung desselben und weiterhin eine friedliche, besinnliche Adventszeit. Wenn's geht, auch hier bei 20six.